restricted area (2015)

"(...) In der Ausstellung „restricted area“ zeigt Eva Castringius neue Arbeiten, die sich auf die Erlebnisse ihres Tibet-Aufenthaltes im Winter 2013 beziehen.Im Fokus der Ausstellung steht ein großformatiger Teppich, den die Künstlerin nach traditionellen tibetischen Knüpftechniken anfertigen ließ. Als Knüpfvorlage für den Teppich fotografierte Castringius eine Bergbaulandschaft, die der Gewinnung von mineralischen Bodenschätzen (Gold und Eisenerz) und deren Aufbereitung dient. Die hierbei eingesetzten Chemikalien verseuchen flächendeckend den Boden und das Grundwasser der Region. Die Anlage, die wie in die bergige Umgebung hineingefräst wirkt, entdeckte Castringius an der Nationalstraße 109 von Beijing nach Lhasa, unweit des kleinen Ortes Deqingcun, etwa 120 Kilometer nordwestlich der tibetischen Hauptstadt. In unmittelbarer Nähe der von der Künstlerin in Szene gesetzten Abbaulandschaft, liegen nicht nur der begradigte Fluss Duilong Qu, sondern auch die als technisches Wunderwerk gefeierte Lhasa-Bahn, die als direkte Verbindung nach Beijing eine wichtige infrastrukturelle Grundlage für die Ressourcengewinnung vor Ort bildet. Dieses umfassende Konstrukt an Eingriffen und deren Interaktionen fließen in die Überlegungen und Arbeiten der Künstlerin ein.

Unter dem Titel „restricted area“ reflektiert Castringius den Gebrauch von Landschaft und fasst ihr künstlerisches Vorgehen vor Ort folgendermaßen zusammen: „In der Ausstellung gehe ich auf die Vielschichtigkeit der tibetischen Kultur und deren Gefährdung ein. Das Abbild des Bergbaus bei Deqingcun steht stellvertretend für den chinesisch-tibetischen Konflikt, der stark von geopolitischen Interessen seitens der chinesischen Regierung motiviert ist. Das tibetische Handwerk des Teppichknüpfens stellt meines Erachtens eine wichtige tibetische Tradition dar, deren Erhalt zum Symbol für den Widerstand gegen die systematische Zerstörung der tibetischen Kultur gesehen werden kann. Die Geschichte der Unterdrückung Tibets scheint an der Gegenwart und Zukunft der Region unnachgiebig mitzuknüpfen. Eine verheerende Situation, die sich letztlich auch in dem Teppichmotiv zeigt, jedoch mit einer positiven Wendung, wenn sich die mehrfach gespiegelte Abbauhalde als hoffnungsvolles Mandala-Ornament neu formiert.“ (Pressetext)